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Messen. Werten. Raten! - Fluch oder Segen?

Es ist nicht ganz neu, dass die Gesellschaft ihre Leistungen misst und bewertet. Doch die heutige allgegenwärtige Sammelwut und Datenflut ist schwer zu fassen. „Ein Algorithmus zeigt nicht, was relevant und wertvoll ist, sondern nur, was dafür gehalten wird, schreibt Marc Tribelhorn in seinem Meinungsartikel in der NZZ.

Caspar Hirschi, Professor für Allgemeine Geschichte an der Universität St. Gallen, stellte anlässlich des HSG Alumni Forums 2019 zum Thema Führung 2025 unter anderem 3 Thesen in den Raum. Die dritte These lautete: Die Datenvermessung in grossem Stil sei eine alte Idee in neuen Schläuchen – mit fataler Konsequenz.

Früher, zu Zeiten der Industriellen Revolution ausgangs des 19. Jahrhunderts, beobachteten Menschen andere Menschen bei der Arbeit – und wussten dann, was (mittels Fliessbandarbeit, Taylorismus) effizienter gemacht werden kann.

Heute diene nicht mehr die Stoppuhr, sondern die Datenvermessung dazu, nach mehr Effizienz zu suchen. Die Beobachtung werde aber an Maschinen delegiert, was dazu führe, dass auch das Management nicht mehr weiss, was genau geschieht. Es würde munter entschieden, obschon die Entscheidungsgrundlagen kaum mehr transparent wären.

Der Zahlenrausch würde zu Fehlanreizen und zum Versuch führen, Qualität mit Quantität zu erfassen, schreibt Tribelhorn weiter. ¨Überhaupt würden sich wichtige Leistungen in menschlichen Zusammenwirken einer Messbarkeit entziehen. Was in der Zusammenarbeit zu gesundheitlichen Nebenwirkungen führen könne. „Zentrale Produktivitätsmotoren wie Teamgeist, Kreativität und Solidarität“ seine gefährdet. Der Effekt wäre letztlich das Gegenteil dessen, was angestrebt werde: die Arbeitsleistung insgesamt drohe zu sinken. „Sinnigerweise kann „vermessen“ im Deutschen nicht nur bedeuten, etwas genau in seinen Massen zu erfassen, sondern eben auch – sich beim Messen zu irren.“ Mehr