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Lob auf die Skepsis als Kultur der Nach-Fragens!

Wer glaubt und überzeugt, gewinnt. Überzeugung als Grundkraft und Handwerk von Sportlern, Managern, Mentaltrainern, Politikern: Darüber schreibt der deutsche Literaturwissenschaftler Manfred Schneider in seinem Feuilleton-Artikel in der NZZ. Allerdings votiert er für mehr Skepsis im Alltag, für mehr Mut und Zeit zum Nach-Denken – als notwendiges Korrektiv zum Handeln mit „falschen, zu Überzeugungen geschärften Wahrheiten“, mit denen so manche Führungskraft ihre Schlachten gewinnt. 

Während Helden angeblich das Fürchten nicht kennen und viele Akteure der neueren Geschichte ebenso wenig den Zweifel, zeigten Skeptiker eine „Haltung, die mit Vorbehalten lebt und sich vorstellen kann, dass errungene Einsicht, die getroffene Entscheidung [oder] der rechtliche Standpunkt überprüft und womöglich geändert werden müssen“. Und weiter: „Die skeptische Haltung pflege nicht den prinzipiellen Zweifel, sie ist nicht der Feind, sondern der besonnene Freund der Überzeugung.“ Sie leiste einen prinzipiellen Verzicht auf dogmatische Positionen.

Die Überzeugung verbrauche kaum Zuschauer-Aufmerksamkeit und benötige weniger Zeit als der Vorbehalt, der sich bisweilen langatmig zwischen Ja und Nein ausbreiten müsse, schreibt Schneider. „Es wäre viel gewonnen, wenn in den kleinen und grossen Fragen der Politik, der Wirtschaft und der Wissenschaft […] der Skepsis, der zweiten Prüfung, der Zeit und dem wiederholten Nachdenken neues Ansehen verschafft würden.“ Mehr