News & Media

50 Jahre sind nicht genug

Wissenschaftspolitik darf nicht auf Standortpolitik reduziert, der „Nutzen“ von  Wissenschaft nicht primär alltagspraktisch definiert und die Freiheit der Forschung nicht eingeschränkt werden, schreibt Urs Hafner in seinem Artikel in der NZZ. Urs Hafner publiziert in diesen Tagen seine historische Studie unter dem Titel „Vom Wissenschaftsrat zum Innovationsrat [SWIR]. Die historische Entwicklung des Schweizerischen Wissenschaftsrates in der Aussensicht“; sie ist im Auftrag des SWIR entstanden.

Seit 1965 wirkt der Schweizerische Wissenschaftsrat am Auf- und Ausbau des Wissenschaftssystems mit. Visionäre ohne gesetzlichen Auftrag hatten ihn aus der Taufe gehoben. Bald schon wurden wurde er, trotz oder vielleicht wegen seines Erfolges, von weiteren neugegründeten Gremien bedrängt. Politik und Wissenschaft reiben sich heftig.

Realpolitische Widerstände hätten die Visionäre des SWIR zunehmend frustriert, meint Hafner. Die Idee, den Rat zu einem „in der Öffentlichkeit agierenden Think-Tank exzellenter Forscher zu machen, die als Sprachrohr der Wissenschaft auftreten und  die Grundlagenforschung verteidigen würden“, sei misslungen.

In grundsätzliche Überlegungen zur Forschungspolitik und zu Bildungsfragen würde er heute nicht mehr einbezogen. Der Rat sei heute Teil eines erfolgreichen Systems, das nicht mehr auf ihn angewiesen zu sein glaube. Er sei dermassen integriert, dass seine Unabhängigkeit von aussen, von Hochschulen und der Öffentlichkeit, kaum noch wahrgenommen werde. Hafner plädiert umso mehr für diese „dissidente Stimme mit Gewicht“, die dem Bundesrat und der Verwaltung nötigenfalls auch widerspreche. Mehr