News & Media

Zeitungsn sterben langsam, aber sie sterben

Die Zukunft von Zeitungen auf Papier ist ungewiss. Ja, doch wichtiger zu fragen sei, ob es Medien gelingen werde, die Bindung an die Marke im digitalen Raum aufrechtzuerhalten. Das sagt Medienprofessorin Emily Bell im Interview mit den Tages Anzeiger Magazin. Sie spricht vom Paradigmenwechsel: Zum ersten Mal in der 200-jährigen Geschichte hätten die Medienverlage nicht mehr die Kontrolle darüber, wo und wie News verbreitet werden. Es wären Facebook, Twitter und Co, die die Wertschöpfungskette aufgebrochen haben und das „Informations-Ökosystem“ wesentlich bestimmten. Und Verlage bereiten immer mehr News nur noch für diese Player auf.

In den Redaktionen der Zukunft gehe es um hocheffiziente Produktion und eine ebensolche Verbreitung, es gehe um virale Verbreitung und damit Reichweiten in einer ganz neuen Dimension, so wie sie die „Sharing- und Liking-Ökonomie“ vorgebe. Es geht vor allem auch darum, das heranwachsende junge Publikum zu gewinnen.

Gleichzeitig sei klar: „Guter Journalismus berichtet lebendig davon, was in der Welt gerade passiert“. Das gelte auch für datengestützten Journalismus. Und dafür würden sich die Menschen seit je brennend interessieren. Dabei betont Bell, dass richtige Bildung Voraussetzung sei, um etwa eine (digitale) „New York Times“ zu verstehen. „Das ist die Art von Verbindung mit Menschen, die einen Medientitel für die Zukunft rüstet.“

Es bleibt die Frage, ob die neuen Firmen, die das Nachrichtengeschäft zu dominieren beginnen, ebenso den journalistischen Werten wie Transparenz, Fairness oder dem Quellenschutz verpflichtet sind. Fakt sei, so Bell, dass es künftig in Redaktionen ebenso viele Digitalexperten wie Schreiber brauche (also weniger Journalisten). Und dass Reichweiten und Skaleneffekte einfacher für Kapital und schöne Renditen sorgten als Journalismus per se. Daten, analysieren, visualisieren und mit Zugriffsanalysen maximale Reichweiten garantieren: davon lebten künftige Medientitel.

Die Herausforderung sei, dass Journalismus über die aktuelle sich anbahnende technische Revolution berichten müsse, während alle Beteiligten für die alten Werte des Journalismus eine digitale Form finden müssten. Fürs Management bedeute das, Print- und Digitalbudgets zu trennen, die Digitalteams von Print-Teams losgelöst zu führen und so den digitalen Journalismus nicht durch traditionelle Managementstrukturen zu behindern.

In diesem Kontext zu sehen ist denn auch die angekündigte Reorganisation der Redaktion in der Blick-Gruppe. Ringier hat sich offenbar von der Idee verabschiedet, ein Gebührenmodell für den digitalen Blick einzuführen. Die Finanzierung soll über Werbung und damit über die Maximierung der Reichweiten erfolgen. Zudem sei für den Erfolg unabdingbar, dass Journalisten das Publikum noch stärker in den Mittelpunkt rücken müssten. Kommunikation müsse Teil der Arbeit eines jeden Journalisten werden… Mehr