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"Politische Fragen müssen politisch entschieden werden"

Der Soziologe Ralf Dahrendorf, vertrat zeitlebens einen unkonventionellen Liberalismus, schrieb Olivier Zimmer, Professor für moderne europäische Geschichte in Oxford, kürzlich in der NZZ.

„Man hat es mit einen Liberalismus zu tun, der […] Menschen als faszinierende Mängelwesen akzeptiert. Pläne sind schön und gut, solange sie in Tuchfühlung mit der Erfahrungswelt der Zeitgenossen geschmiedet werden“, schreibt Zimmer über den Liberalismus Dahrendorf‘scher Prägung. Ein so gebauter Liberalismus könne mit dem apodiktischen Entweder-oder selbsternannter Modernisierer, mit der Rede vom einzig zeitgemässen, nun endlich zu vollziehenden Entwicklungsschritt, wenig anfangen.

Für Ralf Dahrendorf wären denn auch Nationalstaat und Globalisierung, nationale Bindungen und transnationale Verflechtungen keine Gegensätze gewesen. Die angebliche Schrumpfung geografischer Räume ändere nichts daran, dass es nach wie vor bestimmte Orte wären, mit denen Menschen sich identifizierten.

So schreibt denn auch Zimmer klar und deutlich, dass der liberaldemokratische Nationalstaat ein unvollkommenes Geschöpf sei, Ausgeburt historischer Konflikte; kein Zustand, sondern work in progress Dieses Kollektivsubjekt sei anzuerkennen, und ohne ein solches Subjekt sei demokratisch verantwortungsvolles Handeln nicht möglich. Und wendet sich damit gegen alle jene, die Geschichte in Kategorien naturgegebener Gewalten denken und darum ihr Handeln mit historischen Notwendigkeiten zu legitimieren versuchen. „Wer das Gras der Notwendigkeit wachsen hört, für den besteht die Menschheit eben aus schwerhörigen Kurzsichtigen.“ Mehr