News & Media

Szenen aus der Medienwelt

Der Trend zu mobiler Kommunikation führt zu einer intensiveren Mediennutzung, doch wird die Zeit weniger für Information, dafür mehr für Games und Unterhaltung eingesetzt. Information verliert im Vergleich zu Unterhaltung an Boden. Wir müssten unsere Jugendlichen wieder lehren, „dass guter Journalismus etwas wert ist und daher nicht kostenlos zu haben ist“, sagt denn auch Prof. Mark Eisenegger, Präsident der Kurt-Imhof-Stiftung für Medienqualität im Interview mit der NZZ.

Laut seiner Analysen und Beobachtungen verlieren Qualitätstitel mit Hintergrundinformationen zu relevanten Themen in gedruckter Form stetig an Nutzern, und deren Online-Nutzung wächst deutlich langsamer als jene von Titeln minderer Qualität, die vor allem auf rasch und günstig zu erstellende Soft-News und Unterhaltung setzten.

Weiter leidet offenbar die Themenvielfalt deutlich, in der Schweiz etwa bei der Behandlung von Abstimmungsvorlagen. Aber auch das Internationale verliere an Bedeutung zugunsten von Nationalem und Sprachregionalem. Und gesellschaftlich bedeutende Themen würden immer weniger vertiefend behandelt, so dass die eigentliche Meinungsbildung leide. Schliesslich gehe mit dem Niedergang der gedruckten Presse das Lokale und Regionale immer mehr verloren, denn der digitale Nachrichtenkonsum mit seinen Soft-News fokussiere strukturell bedingt andere Auswahlkriterien.

„Wir müssen wieder daran arbeiten, dass der Konsum bestimmter Medien wieder einen Statuswert erhält“, meint Eisenegger, also zu einem Unterscheidungsmerkmal werde.

Dass die Medien selbst nicht unschuldig sind an dieser Entwicklung, zeigen die „seltsamen Szenen“ aus der News-Welt, wie sie Rainer Stadler in seiner Kolumne beschreibt. Es sind Beobachtungen zu „Action-Journalismus in Reinform bzw. Recherche in Rohform“. Wenn noch keine Fakten von zum Beispiel terroristischen Ereignissen vorliegen, erlangen Handvideo-Sequenzen Bedeutung, hohe Preise auf dem Medienmarkt – und alle haben etwas zum Hingucken. Massenmedien und soziale Netzwerke in dauernder Interaktion: „…zur Unterhaltung, zur Leserbindung. Manchmal sogar zugunsten der Information.“